Alpenhatz 2003

 
Reise-Teilnehmer: Egon, Holger Reiseautor: Egon Zimmermann

Der Berg ruft.........!!

Und Holger und ich, wir hörten ihn und beschlossen, seinem Ruf zu folgen.
Mit Unterstützung von Freund Mario, der uns die Karten der letztjährigen Alpenchallenge zur Verfügung stellte und den Sonderwünschen von Holger stellte ich eine kleine Rundreise durch die Berge Frankreichs und Italien zusammen.
Das Ziel der Reise: Wir wollen Spass haben, einige Kurven fahren sowie ein paar Col's und Passo's überqueren.
Falls jemand Interesse an dieser Route hat, kann er sich gerne bei mir melden.

Endlich. am Samstag, dem 20. September 2003 ging's los

Wir starteten morgens um halb neun in Lengnau. Zum Anfang gab es eine Autobahnetappe bis Thun. Dann bummelten wir durchs Simmental über den Col du Pillon nach Aigle. Via Monthey und Morgines fuhren wir unterhalb des Genfersees in der Gegend herum und überquerten wir fast alles, das auf der Karte mit Col eingezeichnet war. Eigentlich wollten wir von jedem Col ein Foto auf der Passhöhe machen, damit wir die ganze Reise quasi lückenlos dokumentieren können. Aber auf einigen dieser Hügelchen konnten wir die Passhöhetafel beim besten Willen nicht finden.
Dies konnte jedoch unsere Freude in keiner Weise beeinträchtigen, konnten wir doch auf Stassen und Strässchen umherkurven, die an diesem Tag nur von ein paar wenigen Einheimischen benutzt wurden. Ausser einigen Passagen, die grade frisch gesplitet wurden, und haufenweise Kuhsch.... vom letzten Alpabgang hinderte nichts und niemand unseren Fahrspass. So kamen wir relativ zügig voran und konnten die erste Tagesetappe in Albertville beenden, wo wir keine Mühe hatte, ein Hotel und ein gutes Abendessen zu finden. Übernachtet haben wir im Hotel du Gare, direkt beim Bahnhof.
Nach einem Schlummerbier begaben wir uns ins Bett.

Zweiter Reisetag, Sonntag, 21. September 2003

Nach dem opulenten "Petit Dejeuner" mussten auch unsere Mopeds gefüttert werden. Dann ging die Reise weiter.
Mit dem Fermi hatten wir endlich mal einen Col, der diesen Namen auch verdiente, eine richtig schöne, kurvige Auffahrt. Kurz nach der "Passhöhe" war es dann vorbei mit der ganzen Herrlichkeit. Holger fing sich einen platten Hinterreifen ein. Nur gut, dass wie ein Reifenflickset dabei hatten....dachten wir jedenfalls. Trotz Anwendung genau nach Anleitung gingen alle drei Gummipfropfen kaputt, wahrscheinlich durch das Alter spröde geworden. Dies liess in uns den Entschluss reifen, dass beim nächstenmal ein Profiset mitgenommen werden muss. Zum Glück sind wir gegen Pannen versichert, ein Telefon an die Pannenzentrale, und die Warterei ging los. Geschlagene vier Stunden durften wir bei bestem Motorradfahrwetter auf den Pannendienst warten. Wenn man bedenkt, dass der eingetroffene Mechaniker den Schaden in einer Viertelstunde behoben hat, dann ärgert das schon ein wenig.
Endlich konnten wir weiterfahren, erstmal ganz langsam und vorsichtig, immer ein Auge auf Holgers Reifen gerichtet. Nach einigen Kilometern konnten wir wieder mehr Gas geben, und wir machten uns ans Aufholen der verlorenen Zeit. An der ersten Tankstelle wurde der Luftdruck im reparierten Pneu kontrolliert, alles im grünen Bereich.
Und so kurvten wir weiter duch die Lande, dem Tagesziel Grenoble entgegen. Dort angekommen, fanden wir das Ibis Hotel, das unseren Ansprüchen genügte. Nach dem Duschen gönnten wir uns beim Chinesen ein gutes Nachtessen, das mit einem oder zwei Bierchen heruntergespühlt wurde. So gegen elf Uhr war Nachtruhe angesagt

Dritter Tag, Montag, 22. September 2003

Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung. Sonnenschein und blauer Himmel begrüsste uns. Also machten wir, dass wir auf's Moped kamen und weiter ging die Reise. Aber schon am ersten Pass der erste Dämpfer. Alles war voll mit Rollkies. Hunderte von Flicken auf den Stassen, ein Riesenslalom ist harmlos dagegen. Am schlimmsten war die Abfahrt vom Col du Luitel. Diese Strasse kam mir vor wie ein notdürftg asphaltierter Karrenweg der alten Römer. Und als Dessert lag noch Tonnenweise Split drauf rum. Im Schritttempo dümpelten wir den Hügel runter, immer in der Angst, auszurutschen und umzufallen. Mit viel Geduld meisterten wir auch diese Schwierigkeiten. Dann konnten wir wieder zügiger weiterfahren, und so gegen ein Uhr machten wir Mittagspause. Wie sich im nachhinein herausstellte, ein Fehler. Kurz nach drei Uhr begann es zu regnen. Der Strassenbelag kam uns vor wie Schmierseife, sehr rutschig. Als der Regen immer heftiger wurde, beschlossen wir, nach Gap durchzufahren und ein Hotel zu suchen. Wir wollten nicht riskieren, unsere Mopeds zu zerlegen.
Warten wir mal ab, was das Wetter am nächsten Tag vor hat

Vierter Tag, Dienstag, 23. September 2003

Na ja, denken wir, wenigstens regnets nicht. Tiefe Wolken und Nebel hängen im Tal. Trotzdem müssen wir weiter. Wir wollen die verpassten Col's vom Vorabend noch fahren. Am Col du Noyer stellt sich heraus, dass wir im Regen das richtige gemacht haben. Eine Baustelle und ein Erdrutsch machen den Pass unpassierbar. Zum Glück sind wir nicht am Abend dorthin gefahren. Es hätte uns zwei weitere Stunden Nässe eingebracht.
Also sind wir weiter Richtung Lac de Serre-Poncon gefahren, und siehe da, über dem Nebel das schönste Wetter. Weiter über verschlungene Wege und Strassen ging die Reise. Bald war auch Sisteron erreicht, wo wir uns einen Kaffe gönnten. In Digne les-Bains vertilgten wir beim goldenen M einen Burger, bevor es endlich mal wieder etwas zügiger nach Barcelonnette ging. Dort angekommen, freuten wir uns auf den ersten richtigen Pass, den 2247 Meter hohen Col d'Allos.
Die Abfahrt nach Castellane brachten wir problemlos hinter uns.
Dann wollten wir uns mal was anderes als die ewigen Kurven in den Bergen und Hügeln der letzten Tage gönnen. Also beschossen wir, auch noch die Veranschlucht zu umrunden.
In Moustiers haben wir ein prima Hotel gefunden und freuten uns auf's Nachtessen und unseren wohlverdienten Schlaf.

Fünfter Tag, Mittwoch, 24. September 2003

Nach den endlos langen Geraden rund um die Verdon-Schlucht freuen wir uns wieder auf die Berge. Via Comps sur-Artuby und la Bastide nähern wir uns dem südlichsten Punkt unserer Tour des Alpes. Es ist St Vallier de Thiey, etwa 12 Km. von Grasse, der Weltstadt des Parfüms entfernt. Von dort aus fuhren wieder nordwärts, den dichten Gewitterwolken entgegen, die sich immer bedrohlicher auftürmen. Aber wir hatten Glück, es tropfte nur ein wenig. Über Colmars des Alpes, den Col des Champs und zum Abschluss des Tages den Col de la Cayolle erreichen wir wieder Barcelonnette, von wo aus wir morgen wieder gen Süden fahren wollen.
Ein Hotel war schnell gefunden, nun konnten wir uns den kulinarischen Genüssen widmen.

Sechster Tag. Donnerstag, 25. September 2003

Heute gehts rund. Als erstes überqueren wir den Col de Bonette. Bereits um 9 Uhr sind wir auf dem Gipfel. So früh am Morgen haben wir den Berg ganz für uns. Kein anderes Moped ist unterwegs. Via St. Sauveur sur Tinee und den Col de la Couillole erreichen wir Breuil, dann gehts durch die Gorges du Cians mit ihren roten Felswänden weiter südwärts.
In Pouget-Theniers trinken wir einen Kaffee, dann geht's via Col du St.Raphael und die D27 nach Gilette.
Anschliessend durch die Gorges de la Vesubie in Richtung Holgers Wunschpass. Es ist der Col de Turini, den er schon immer mal befahren wollte. Heute hat er die Gelegenheit dazu. Oben angekommen, wollen wir auch die Tre Valli durchfahren. Wir fahren den Berg runter und nehmen kurz nach Peira-Cava die linke Abzweigung. Dann geht's über eine steile Serpentinenstrasse durch einen von einem Waldbrand heimgesuchten Berghang. Schlimm, was eine weggeworfene Zigarette oder ein unvorsichtiger Wanderer anrichten können.
In Sospel stillen wir unseren Hunger, dann geht die Fahrt weiter, wieder hoch zur Passhöhe. Via St.Martin-Vesubie und Isola 2000 erreichen wir den Col de Lombarde. Oh weh, dichter Nebel steigt aus dem Tal, in das wir müssen. Trotzdem, uns bleibt nichts anderes übrig, wir müssen runter. Zeitweise sehen wir kaum die Hand vor den Augen. Schliesslich kommen wir doch heil in Vinadio an, und beschliessen, wegen der schlechten Sicht nicht durch die italienischen Hügel, sondern direkt via Col de Vars nach Guillestre zu fahren. Ein Hotel ist schnell gefunden, und wir gönnen uns ein feines Nachtessen und eine heisse Dusche

Siebenter Tag. Freitag, 26. September 2003

Gleich nach dem Zmorge gehts weiter, wir wollen den Col d'Agnel , den wir wegen des gestrigen Nebels ausgelassen haben, auch noch befahren. Anschliessend über den Izoard nach Brinacon, den Lautaret zum Galibier und den Telegraph. Runter ins Tal, und weiter Richtung Croix de la Fere und Glandon. Bei einem Kaffehalt beschliessen wir, heimwärts zu fahren. Irgendwie haben wir genug. Also los, über den Madeleine, den Kleinen und den Grossen St. Berhard erreichen wir abends um acht Martigny, von wo aus es auf der Autobahn nach Hause geht.

Mein Fazit der Reise:

Es war "voll geil".
Die Landschaft ist auch im Herbst eine Reise wert, jedoch auf über 2000 Metern war es empfindlich kühl. Wir hatten recht Glück mit dem Wetter.
Ärgerlich waren die vielen mit Rollsplit bedeckten Strassen, die waren manchmal doch ziemlich mühsam zu fahren.
Die Motorräder waren den Ansprüchen immer gewachsen, etwas anderes haben wir auch nicht erwartet.
Der Tachostand meiner Pan am Anfang der Reise : 7465 Km. Am Schluss der Runde : 10760 Km.
Wir haben also 3295 Kilometer zurückgelegt.
Wer weiss, vielleicht machen wir so eine Reise wieder einmal.


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